Der doppelt eingeschlagene Saum eignet sich für gerade Kanten, Säume von Röcken, Hosen, Kleidern und sogar für Tischdecken oder Vorhänge. Bei Ecken oder Rundungen musst du den Stoff vorher einschneiden, damit er sich legen kann. Für sehr dicke Stoffe solltest du den ersten Umschlag etwas schmaler machen, sonst wird die Kante zu dick. Nach dem Nähen bügelst du den Saum noch einmal leicht, damit er flach liegt. So hält die Kante dauerhaft und sieht professionell aus, ohne dass du eine Overlockmaschine benötigst.
Zum Üben eignen sich zwei Reststücke eines ähnlichen Gewebes, das später auch repariert werden soll. Eine dünne Nähnadel mit kleiner Spitze, ein Faden in der Farbe des Stoffes und eine Schere genügen. Wer zum ersten Mal übt, nimmt einen einfarbigen Baumwollstoff, weil sich darauf jeder schiefe Stich sofort zeigt. Ein Stück Kontrastfaden hilft, die eigene Linie zu kontrollieren, bevor man mit dem passenden Faden arbeitet.
Bevor der erste Stich gesetzt wird, muss der Stoffstreifen stimmen. Ein Schrägband funktioniert nur, wenn der Streifen tatsächlich im 45-Grad-Winkel zum Fadenlauf geschnitten ist. Ein gerader Streifen lässt sich später nicht um Kurven legen. Vorbereitete Streifen sind meist schon schräg geschnitten, aber die Breite entscheidet über den Einsatz. Für Kanten an geraden Nähten reichen zwei Zentimeter, für Rundungen an Ausschnitten oder Armausschnitten sollten es drei bis vier Zentimeter sein. Wer zu schmale Streifen verarbeitet, ärgert sich beim Einschlagen – der Stoff franst aus, bevor die Naht sitzt.
Warum die Nahtzugabe über die Passform entscheid
Nach dem Nähen wird die Biese erneut gebügelt, diesmal über einem Bügelbrett mit weicher Unterlage. So drückt sich die Naht nicht durch. Bei empfindlichen Stoffen legst du ein Tuch dazwischen. Erst jetzt entscheidet sich, ob die Biese gleichmäßig sitzt. Kontrolliere den Abstand zwischen den Biesen mit einer Schablone aus Pappe, nicht nach Augenmaß. Ungleiche Abstände fallen bei Biesen sofort auf, weil das Licht die Kanten betont.
Nach dem Üben an Reststücken wendet man den Steppstich an einer echten Naht an. Man trennt die beschädigte Stelle auf, entfernt lose Fäden und arbeitet entlang der alten Stichlöcher. Am Ende wird der Faden auf der Rückseite mit zwei kurzen Stichen gesichert und abgeschnitten. Ein leichter Dampf über der reparierten Stelle lässt die Fasern aufquellen und schließt die Einstichlöcher. Wer diese fünf Handgriffe beherrscht, repariert Nähte so, dass sie beim genauen Hinsehen kaum noch zu finden sind.
Wer eine Naht reparieren will, ohne dass man die Reparatur sieht, kommt am Steppstich von Hand nicht vorbei. Die Maschine scheidet dafür fast immer aus, weil sie den Stoff verschiebt und die Einstichlöcher zu gleichmäßig setzt. Von Hand lässt sich die Nadel dort einstechen, wo die alte Naht saß, und die Spannung so steuern, dass der Faden im Gewebe verschwindet. Entscheidend sind nicht Geschwindigkeit, sondern Nadelwahl, Fadenstärke und die Übung, den Stich exakt in die alte Stichlinie zu setzen.
Typische Fehler sind zu lange Stiche, ein zu dicker Faden und ein Knoten am Anfang. Lange Stiche fallen sofort auf, weil sie die ursprüngliche Naht überdecken statt sie nachzubilden. Ein dicker Faden lässt sich nicht im Gewebe verstecken und glänzt auf der Oberfläche. Der Knoten am Anfang erzeugt eine harte Stelle, die beim Tragen drückt und die Reparatur verrät. Wer den Faden zu fest anzieht, bekommt eine Runzel, die sich auch nach dem Bügeln nicht mehr legt.
Für eine unsichtbare Reparatur wird der Faden nicht verknotet. Stattdessen lässt man ein kurzes Ende auf der Rückseite stehen und sichert es später mit zwei kleinen Rückstichen im bereits vorhandenen Nahtverlauf. Der Faden darf nie straff gezogen werden, sonst zieht sich der Stoff zusammen und die alte Nahtlinie wellt sich. Nach einigen Stichen prüft man von der Vorderseite, ob der Faden wirklich in der Gewebestruktur liegt. Bei glatten Stoffen muss der Faden dünner sein als bei rauem Wollstoff.
Der Stich entsteht aus der Bewegung, nicht aus dem Faden Der Steppstich wird von rechts nach links gearbeitet. Die Nadel sticht zuerst von unten nach oben durch den Stoff, dann folgt ein kurzer Stich nach vorn und die Nadel geht wieder nach unten. Der nächste Einstich erfolgt exakt dort, wo der letzte Faden aus dem Gewebe kam, sodass eine durchgehende Linie entsteht. Die Stichlänge bleibt gleichmäßig, etwa zwei bis drei Millimeter. Beim Üben zählt nur, dass die Nadel senkrecht durch das Gewebe geht; ein schräger Einstich erzeugt ein Loch, das sich nicht mehr schließt.
3. Setzen Sie einen Kantenfräser oder eine Fase ein. Für eine dauerhaft saubere Kante kann eine leichte Fase von 0,5 bis 1 mm angeschliffen werden. Das reduziert die Gefahr von Ausbrüchen und erleichtert das spätere Lackieren oder Kleben. Verwenden Sie einen Kantenfräser mit Anlaufring oder eine Schablone, um gleichmäßige Ergebnisse zu erzielen. Ohne Führung wird die Fase schnell ungleichmäßig.
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