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Rundungen nähen ohne Falten: Der Fehler, den fast alle machen

Ein eingerissener Saum ist kein Schönheitsfehler, sondern eine offene Wunde am Stoff. Zieht man an einem losen Faden, wandert der Riss weiter, bis die Naht vollständig aufgelöst ist. Die Reparatur dauert selten länger als zehn Minuten, aber sie muss erfolgen, bevor der Riss über die ursprüngliche Stelle hinausläuft. Wer den Schaden liegen lässt, riskiert, dass aus einem kurzen Riss ein handflächengroßes Loch wird, das sich nicht mehr unsichtbar schließen lässt.

Ein zweiter häufiger Fehler ist das Messen über Kleidung. Ein enganliegender Ärmel wird meist zu einem Shirt oder Kleid getragen, das dünn ist. Wer über einem Pullover misst, erhält ein zu großes Maß und wundert sich später über einen schlabbrigen Sitz. Gemessen wird auf einem dünnen Shirt oder direkt auf der Haut, je nachdem, wie das spätere Kleidungsstück getragen wird.

Rundungen an der Nähmaschine sauber zu nähen ist eine der häufigsten Frustquellen. Dabei liegt das Problem selten an der Maschine oder am Stoff, sondern an der Reihenfolge der Arbeitsschritte und an der Nahtzugabe. Wer Rundungen einfach so unter den Fuß schiebt und losnäht, bekommt fast zwangsläufig Wellen, kleine Fältchen oder ausgefranste Kanten. Die folgenden Punkte zeigen, wie sich das vermeiden lässt.

Für enganliegende Ärmel ist dieses Maß kritischer als bei weiten Schnitten. Ein Ärmel, der eng anliegt, hat kaum Reserve. Ist das Armloch nur einen Zentimeter zu tief, zieht der Ärmel nach unten und reißt an der Schulter. Ist es zu hoch, drückt die Naht in die Achsel, sobald der Arm gehoben wird. Deshalb lohnt es sich, das Maß zweimal zu nehmen und beide Werte zu vergleichen. Weichen sie um mehr als einen halben Zentimeter ab, wurde unterschiedlich gemessen.

Nach jeder neuen Garnrolle oder Spule lohnt sich eine kurze Stichprobe auf einem Reststück. So lassen sich Fehler früh erkennen, bevor das eigentliche Projekt beginnt. Wer den Fadenweg einmal verstanden hat, braucht dafür nur wenige Sekunden. Die erste Stichprobe ist kein überflüssiger Schritt, sondern die einfachste Methode, um Ausschuss zu vermeiden.

Die Armlochtiefe entscheidet darüber, ob ein enganliegender Ärmel sitzt oder spannt. Sie wird nicht am fertigen Kleidungsstück abgenommen, sondern am Körper der Person, für die genäht wird. Gemessen wird vom höchsten Punkt der Schulternaht am Halsansatz senkrecht nach unten bis zur Achselhöhle. Das Maßband liegt dabei flach an, ohne in die Achsel zu drücken. Wer hier zu locker misst, bekommt später einen zu tiefen Armausschnitt; wer zu stramm zieht, einen zu hohen, der einschneidet.

Für Ziernähte oder Doppelsteppnähte trenne nur jeden zweiten Stich und ziehe den Rest mit der Hand heraus. Das ist langsamer, aber sicher. Bei Knopflöchern oder engen Kurven arbeite mit der Kugelspitze von der Rückseite. Wenn ein Stich nicht aufgeht, nicht hebeln. Drehe den Stoff, setze neu an und trenne den Faden an einer anderen Stelle. Nach dem Trennen die Naht mit einem weichen Pinsel ausbürsten, damit keine Fadenreste im Gewebe bleiben.

Eine große Tischdecke zu säumen ist eine Geduldsarbeit, bei der die Länge der Kante zur Falle wird. Je länger die Naht, desto stärker wirken sich kleine Spannungen aus. Schon ein halber Millimeter Dehnung pro Zentimeter summiert sich bei zwei Metern Saumlänge auf mehrere Zentimeter, die irgendwo verschwinden müssen. Deshalb beginnt die Arbeit nicht an der Nähmaschine, sondern am Bügelbrett: Der Stoff wird zuerst gewaschen, getrocknet und gründlich gebügelt, damit er seine endgültige Form findet. Erst danach wird zugeschnitten. Wer diesen Schritt überspringt, säumt eine Decke, die nach dem ersten Waschen kürzer ist als der Tisch breit.

Bei enganliegenden Ärmeln empfiehlt sich eine Anprobe vor dem endgültigen Zuschnitt. Das Armloch wird geheftet, der Ärmel eingesetzt und der Arm mehrfach gehoben und gesenkt. Erst wenn nichts spannt und nichts drückt, wird die Naht endgültig vernäht. Wer diesen Schritt überspringt, trennt später auf – und das ist bei engen Nähten deutlich mühsamer als eine kurze Anprobe vorher.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Ziehen am Stoff während des Nähens. Wer die Rundung mit den Fingern nachzieht, verzieht die Naht und erzeugt genau die Falten, die vermieden werden sollen. Der Stoff soll nur leicht geführt werden, nicht gezogen. Bei engen Kurven ist es besser, langsam zu nähen und das Nadelblatt kurz über der Stelle zu halten, statt das Werkstück mit Gewalt durchzuschieben. Die Maschine transportiert den Stoff selbst; die Hände korrigieren nur die Richtung.

Beim Wenden ist Geduld gefragt. Die Rundung nicht mit einer stumpfen Nadel nach außen drücken, sondern mit einer spitzen, aber nicht scharfen Spitze vorsichtig ausformen. Zu viel Druck erzeugt an der Kante kleine Ausbeulungen, die später als unruhige Linie sichtbar bleiben. Anschließend die Naht von beiden Seiten bügeln, am besten über einer weichen Unterlage, damit die Rundung ihre Form behält und nicht plattgedrückt wird.

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