1 post / 0 new
Guest (not verified)
Woran erkennt man den Fadenlauf, bevor die Schere ansetzt?

Markiere den Fadenlauf, sobald du ihn bestimmt hast, mit Kreide oder einem Heftfaden direkt auf dem Stoff. So kannst du beim Zuschneiden kontrollieren, ob das Schnittmuster parallel zur Markierung liegt. Ein Schnittmuster, das schräg zum Fadenlauf zugeschnitten wird, verliert seine Form – das Teil dreht sich, die Nähte werfen Falten, und der Stoff fällt unruhig. Nimm dir die Minute vor dem ersten Schnitt, denn danach ist jede Korrektur unmöglich.

Beim Zusammennähen der Seitennaht läuft die Kante genau durch die vorbereiteten Öffnungen. Hier liegt der häufigste Fehler: Die Naht wird zu nah an der Kanalunterkante geführt, wodurch der Kanal eingeschnürt wird und die Kordel blockiert. Besser ist es, die Seitennaht knapp unterhalb der Kanalnaht enden zu lassen und die Nahtzugaben auseinanderzubügeln. Ein Zickzack-Stich oder eine saubere Versäuberung verhindert, dass der Stoff im Kanal ausfranst und die Kordel bremst.

Die Trommel sollte nur zu zwei Dritteln gefüllt sein. Zu viel Wäsche in der Trommel erzeugt Reibung, und Reibung ist die Hauptursache für Fusseln. Ein zusätzlicher Spülgang ohne Schleudern hilft, lose Fasern auszuspülen. Beim Schleudern gilt: maximal 600 Umdrehungen pro Minute. Höhere Drehzahlen pressen die Fasern aneinander und brechen sie. Beim Trocknen ist der Wäschetrockner tabu, solange das Leinen noch fusselt. Aufhängen im Schatten, am besten liegend auf einem Tuch, verhindert, dass das Gewicht des nassen Stoffs die Faser zieht.

Was beim Waschen und Trocknen wirklich zählt Beim Dekatieren selbst ist die Temperatur entscheidend, nicht die Dauer. Leinen verträgt Waschgänge bei 40 bis 60 Grad, aber nicht bei 90 Grad, wenn die Faser noch empfindlich ist. Ein zu heißer Gang löst die äußere Schicht der Faser an, wodurch kurze Fasern frei werden und später abfallen. Waschmittel ohne Bleiche und ohne Enzyme sind besser geeignet, weil sie die Faser weniger angreifen. Weichspüler sollte man weglassen: Er legt sich auf die Faser, bindet aber keine abstehenden Fasern, sondern macht sie nur schwerer entfernbar.

Bei Jersey, Strick und anderen Maschenwaren funktioniert die Fadenlauf-Kontrolle anders. Hier gibt es keine Kett- und Schussfäden, sondern Maschen. Ziehe den Stoff leicht in Längs- und Querrichtung: Die Richtung, in der er sich kaum dehnt, entspricht dem Fadenlauf. Die quer dazu verlaufende Richtung ist deutlich dehnbarer. Wer bei Jersey den Fadenlauf falsch annimmt, bekommt beim Tragen ausgeleierte Kanten und verdrehte Nähte.

Der Fadenlauf ist die Richtung, in der die Kettfäden eines Gewebes verlaufen. Er bestimmt, wie sich ein Stoff dehnt, wie er fällt und wie er sich beim Nähen verhält. Wer ihn ignoriert, riskiert verdrehte Säume, ausgeleierte Ausschnitte oder Kleidungsstücke, die nach dem ersten Waschen schief hängen. Deshalb lohnt es sich, den Fadenlauf zu prüfen, bevor der Stoff zugeschnitten wird – denn korrigieren lässt er sich danach nicht mehr.

Der erste Schritt ist immer die Kontrolle der Transporteurhöhe. Der Transporteur muss im oberen Totpunkt etwa 0,8 bis 1,0 mm über der Stichplatte liegen. Ist er zu tief, hat die Zahnung keinen Kontakt zum Stoff und schiebt ihn nur seitlich weg. Zum Messen eignet sich eine Fühlerlehre, die zwischen Transporteurzahn und Stichplatte geschoben wird. Bei zu niedrigem Stand wird der Transporteur über die Exzenterstellung oder eine Stellschraube an der Unterseite korrigiert. Nach jeder Änderung folgt ein Probenähung auf einem Reststück des gleichen Materials.

Vor dem Dekatieren sollte Leinen nicht trocken gebügelt oder gar heiß gepresst werden. Trockene Hitze bricht die Faser und macht sie spröde. Besser ist es, den Stoff vorher zu befeuchten, entweder durch kurzes Eintauchen in lauwarmes Wasser oder durch Einwickeln in ein feuchtes Tuch für etwa eine Stunde. So quillt die Faser gleichmäßig auf, und der spätere Schrumpf fällt geringer aus. Wer Leinen direkt in die Maschine gibt, ohne es vorher zu befeuchten, riskiert ungleichmäßiges Einlaufen und zusätzliche Fusseln durch Reibung an der Trommelwand.

Was tun, wenn der Stoff gemustert oder gerippt ist? Bei Streifen, Karos oder Rippenmustern kannst du den Fadenlauf direkt ablesen: Die Längsstreifen oder Rippen folgen in der Regel dem Fadenlauf. Vorsicht bei quer verlaufenden Streifen – sie zeigen die Schussrichtung, nicht den Fadenlauf. Auch bei glänzenden oder gebürsteten Stoffen wie Samt hilft ein Trick: Streiche mit der Hand in beide Richtungen über den Stoff. Der Strich, der sich rau anfühlt, zeigt die Schussrichtung; der glatte Strich verläuft mit dem Fadenlauf.

Ein häufiger Fehler ist das Dekatieren von Leinen, das bereits genäht ist. Nähte und Kanten fusseln dann besonders stark, weil die Nadel die Faser aufgeraut hat. Wer vor dem Waschen versäubert und alle Kanten mit Zickzackstich oder Overlock versieht, reduziert den Faserabrieb deutlich. Ein weiterer typischer Fehler: das Bügeln im nassen Zustand mit zu heißem Eisen. Leinen sollte nur leicht feucht und auf mittlerer Stufe gebügelt werden, besser noch mit einem Bügeltuch dazwischen.

Add new comment

Filtered HTML

  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.

Plain text

  • No HTML tags allowed.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Lines and paragraphs break automatically.

Navigation

User login