Wer tiefer eingreifen muss, arbeitet mit einem Fugenschaber oder einer schmalen Drahtbürste. Nur die oberste Schicht abtragen, maximal einen Millimeter. Wird mehr Material entfernt, verliert die Fuge ihre Funktion und Wasser dringt in den Untergrund. Anschließend die Fuge mit einem Nasssauger aussaugen, damit lose Partikel vor dem Versiegeln verschwinden.
Reinigen mit Mechanik vor Chemie Für oberflächliche Verfärbungen genügt eine Bürste mit mittelharten Kunststoffborsten, warmes Wasser und ein mildes Spülmittel. In kreisenden Bewegungen arbeiten, nicht mit Gewalt in die Fuge drücken. Bei hartnäckigen Kalkrändern hilft verdünnte Zitronensäure, bei Fett ein Spritzer Spiritus. Nach jeder Behandlung mit klarem Wasser nachspülen, sonst bleiben Rückstände, die neuen Schmutz anziehen. Chlorhaltige Reiniger nur im gut gelüfteten Raum und nie in Kombination mit Säure verwenden.
Kratzprobe, Klebebandtest und Fingerprobe Für die Haftungsprüfung eignet sich der Klebebandtest: Kleben Sie ein Stück Kreppband fest auf den Untergrund, drücken Sie es gut an und ziehen Sie es in einem Zug ab. Bleiben Farbreste oder gar ganze Schichten am Band hängen, haftet der alte Anstrich nicht – dann muss zuerst die lose Schicht entfernt und der Untergrund grundiert werden. Bei kreidenden, abfärbenden Oberflächen hilft die Fingerprobe: Wischt man mit dem Finger darüber und es bleibt ein weißer oder farbiger Abrieb haften, ist die Oberfläche zu porös oder zu alt für einen direkten Anstrich.
Die Kratzprobe zeigt, wie fest der Untergrund ist. Kratzen Sie mit dem Fingernagel oder einem Spachtel an einer unauffälligen Stelle. Bröselt oder splittert Material ab, ist die Oberfläche instabil und braucht eine grundierende Vorbehandlung, die die oberste Schicht verfestigt. Bei Gipskarton, Putz oder alten Dispersionsfarben ist das häufig der Fall. Glatte, harte Flächen wie Fliesen, Metall oder lackiertes Holz benötigen dagegen meist keine Sauggrundierung, sondern eine Haftgrundierung.
Der einfachste Test ist der Wassertropfen. Geben Sie einige Tropfen Wasser auf eine saubere Stelle des Untergrunds und beobachten Sie, wie schnell sie verschwinden. Saugt der Untergrund das Wasser innerhalb weniger Sekunden auf und hinterlässt einen dunklen Fleck, ist er stark saugfähig – hier ist eine Grundierung fast immer sinnvoll, sonst zieht die Farbe ungleichmäßig ein und die Oberfläche wirkt fleckig. Bleibt der Tropfen stehen und perlt ab, ist die Saugfähigkeit gering; dann reicht in der Regel ein direkter Anstrich, sofern die Haftung stimmt.
Die Luftfeuchtigkeit spielt im Winter ebenfalls eine Rolle. Heizungsluft ist oft trocken, was das Trocknen beschleunigt und das Risiko von Rissen erhöht. Steigt die Feuchtigkeit dagegen durch Kochen oder Duschen in angrenzenden Räumen, kann die Farbe nicht richtig aushärten. Ein Hygrometer zeigt, ob der Wert zwischen 40 und 60 Prozent liegt. Liegt er darunter, hilft ein einfacher Wasserverdunster auf der Heizung – aber nur, wenn die Temperatur stabil bleibt. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit sollte man stoßlüften und den Raum kurzzeitig abkühlen lassen, aber nicht unter 15 Grad.
Zuerst eine Trockenprüfung: Mit einem harten Radiergummi oder einer Messingbürste an einer unauffälligen Stelle reiben. Bröselt die Fuge dabei weg, ist der Zement bereits mürbe und ein Auffrischen per Reinigung reicht nicht. Bleibt die Fuge hart und nur die oberste Schicht löst sich, handelt es sich um einen reinen Belag. Diese Unterscheidung bestimmt das weitere Vorgehen.
Die Entscheidung, ob eine Grundierung nötig ist, hängt nicht vom Bauchgefühl ab, sondern von drei messbaren Eigenschaften des Untergrunds: Saugfähigkeit, Haftung und Beschaffenheit der Oberfläche. Wer diese drei Punkte prüft, bevor die erste Farbe gerührt wird, spart sich später Blasen, Abblättern und fleckige Deckkraft. Die Prüfung dauert keine fünf Minuten und erfordert kein Spezialwerkzeug.
Prüfen Sie außerdem, ob der Untergrund sauber, trocken und fettfrei ist. Staub, Nikotin- oder Fettfilme verhindern jede Haftung, egal ob grundiert wird oder nicht. Reinigen Sie die Fläche vorher und lassen Sie sie vollständig trocknen. Bei Unsicherheit gilt: Lieber eine dünne Grundierung zu viel als eine zu wenig. Wer Saugfähigkeit, Haftung und Festigkeit einmal geprüft hat, erkennt schnell, ob der Untergrund grundiert werden muss oder ob die Farbe direkt darauf hält.
Ein häufiger Fehler ist, eine Grundierung nur nach Gefühl aufzutragen oder ganz wegzulassen, weil die neue Farbe „doch deckt". Das rächt sich bei stark saugenden Untergründen: Die erste Schicht wird ungleichmäßig aufgesogen, die zweite Schicht deckt dann nicht sauber, und am Ende braucht man mehr Farbe als geplant. Ebenso problematisch ist eine zu dicke Grundierung. Sie läuft an senkrechten Flächen, bildet Nasen und verlängert die Trockenzeit unnötig. Dünn und gleichmäßig auftragen, mit Rolle oder Bürste, ist die richtige Vorgehensweise.
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