Sobald sich das Wachs elastisch anfühlt, nimmt man die Kerze heraus und legt sie auf eine saubere, glatte Fläche – eine Glasplatte, ein Brett oder ein Stück Backpapier. Jetzt wird nicht gezogen und nicht gebogen, sondern gerollt: Mit der flachen Hand oder einem glatten Glas rollt man die Kerze vorsichtig hin und her, bis sie gerade liegt. Der Druck kommt aus der Handfläche, nicht aus den Fingern. Wer zu stark drückt, hinterlässt Dellen, die später sichtbar bleiben. Bei starken Krümmungen hilft es, die Kerze vor dem Rollen kurz an den Enden zu halten und die Biegung langsam auszugleichen – millimeterweise, nicht in einem Zug.
Die Standzeit hängt von drei Faktoren ab: Verdunstungsfläche, Raumtemperatur und Luftbewegung. Bei 20 bis 22 Grad und normaler Luftfeuchtigkeit hält eine Füllung mit 100 Millilitern etwa vier bis sechs Wochen. In der Nähe einer Heizung oder bei direkter Sonneneinstrahlung verkürzt sich die Zeit auf zwei bis drei Wochen. Zugluft von Fenstern oder Ventilatoren beschleunigt die Verdunstung ebenfalls. Wer eine lange Standzeit möchte, stellt den Diffusor an eine schattige, ruhige Stelle und nutzt weniger Stäbchen. Ein weiterer Fehler ist das Nachfüllen auf alte Reste. Alte Flüssigkeit ist mit Staub und abgestorbenen Duftmolekülen gesättigt. Besser das Gefäß entleeren, mit Alkohol ausspülen und trocknen lassen, dann neu ansetzen.
Vor dem Befüllen das Gefäß gründlich reinigen. Klebereste, Etiketten und Fettrückstände brennen sonst mit und verursachen unangenehmen Geruch. Heißes Wasser mit etwas Spülmittel reicht, danach vollständig trocknen lassen. Restfeuchtigkeit im Boden führt beim Eingießen zu Spritzern und einer unruhigen Wachsoberfläche. Den Docht mittig fixieren, etwa mit einem Holzstab oder einer Wäscheklammer über dem Rand. Der Docht sollte senkrecht stehen und zwei bis drei Zentimeter über das Wachs hinausragen. Zu lange Dochte rußen, zu kurze erlöschen ständig.
Einfallstellen rund um den Docht entstehen fast immer dann, wenn Wachs beim Abkühlen stärker schwindet, als der Docht oder die Gefäßwand nachgeben kann. Das Wachs zieht sich zusammen, der Docht bleibt stehen, und an der Oberfläche bildet sich ein Trichter oder eine sichtbare Mulde. Wer nur einmal gießt, sieht diesen Effekt oft erst Stunden später – dann ist die Oberfläche bereits erstarrt und lässt sich nicht mehr korrigieren.
Ein weiterer Punkt ist die Temperaturführung. Stearin schmilzt bei etwa 55 bis 70 Grad Celsius, je nach Reinheit. Wird das Wachs überhitzt, verdampfen flüchtige Anteile, und der Duft sowie die Farbe leiden. Wer Farbpigmente verwendet, sollte diese nach dem Stearin zugeben, weil das Gemisch dann homogener wird. Bei der Herstellung von Kerzen mit Docht ist darauf zu achten, dass der Docht etwas dicker gewählt wird, da die härtere Masse mehr Kapillarwirkung benötigt. Ein zu dünner Docht führt zum Tunnelbrand, bei dem nur die Mitte der Kerze abbrennt.
Ein zweiter typischer Fehler: Nach dem zweiten Guss wird das Gefäß bewegt oder in einen kühlen Raum gestellt. Zugluft und Temperatursprünge erzeugen erneut Einfallstellen oder ein ungleichmäßiges Bild. Das Nachgießen braucht dieselbe ruhige, gleichmäßige Abkühlung wie der erste Guss. Auch das Anstechen der Oberfläche mit einer Nadel vor dem Nachgießen hilft: Die entstehenden kleinen Kanäle lassen Luft entweichen und verhindern Lufteinschlüsse.
Wann nachgegossen wird und wann nicht Nachgießen lohnt sich bei Paraffin, Sojawachs und Mischungen, die stark schwinden. Bei Bienenwachs ist der Effekt meist geringer, aber auch hier kann eine Mulde entstehen. Entscheidend ist die Temperatur: Das nachgegossene Wachs sollte etwa zehn bis fünfzehn Grad wärmer sein als das bereits erstarrte. Ist es zu heiß, schmilzt die Oberfläche auf und der Docht saugt sich seitlich voll. Ist es zu kalt, verbindet sich die neue Schicht nicht mit der alten und platzt später ab.
Der zweite Guss ist deshalb kein Schönheitsgriff, sondern Teil der grundlegenden Technik. Beim ersten Guss füllt man das Gefäß bis etwa einen Zentimeter unter den Rand. Das Wachs kühlt langsam ab, zieht sich zusammen und bildet die typische Einfallstelle. Erst wenn diese vollständig ausgehärtet ist, wird nachgegossen. Wer zu früh nachgießt, vermischt zwei unterschiedlich temperierte Wachsschichten und erzeugt Spannungsrisse.
Wer Einfallstellen dauerhaft vermeiden will, plant den zweiten Guss von Anfang an ein. Das bedeutet: etwas weniger Wachs beim ersten Guss, vollständiges Aushärten lassen, Docht fixieren, zweiter Guss in dünnen Schichten. Nach dem Abkühlen kann die Oberfläche mit einem warmen Föhn oder einem kurzen Tauchbad geglättet werden. Wer diesen Ablauf einmal verinnerlicht hat, bekommt gleichmäßige, saubere Kerzen – ohne Nacharbeit und ohne sichtbare Mulden am Docht.
Ein typischer Fehler ist das Gießen aus großer Höhe. Der Strahl trifft mit Schwung auf die Oberfläche, reißt zusätzliche Luft mit und schlägt Blasen in die Tiefe. Besser ist es, den Ausguss oder Schlauch dicht an den Behälterrand zu halten und die Flüssigkeit an der Innenwand entlanglaufen zu lassen. Dadurch entsteht ein dünner, gleichmäßiger Film, der kaum Luft einschließt. Bei Schläuchen hilft es, das Ende leicht abzusenken oder in die bereits vorhandene Flüssigkeit einzutauchen, sodass kein freier Fall entsteht.
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