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5 Griffe für unsichtbare Flicken an Kleidung

Ein Loch in einem Lieblingsstück muss nicht das Ende sein. Entscheidend ist weniger die Menge an Nadel und Faden als die Reihenfolge der Arbeitsschritte: zuerst aufsetzen, dann unterlegen, zuletzt feine Stiche. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt eine Reparatur, die aus einem Meter Entfernung kaum noch zu erkennen ist. Wer sie vertauscht, erzeugt Wülste, Verzug oder eine sichtbare Naht, die mehr auffällt als das Loch selbst.

Das Dekatieren ist kein Hexenwerk. Zunächst prüft man die Pflegehinweise auf der Stoffbahn oder dem Etikett. Steht dort „Handwäsche" oder „nicht waschbar", wählt man ein schonendes Verfahren. Für die meisten Baumwoll- und Leinenstoffe reicht ein Waschgang bei 30 bis 40 Grad ohne Weichspüler. Wolle und empfindliche Seide vertragen nur lauwarmes Wasser mit einem milden Wollwaschmittel oder man dämpft sie vorsichtig mit dem Bügeleisen. Wichtig: Den Stoff nicht auswringen, sondern flach liegend trocknen lassen.

Zum Schluss den frisch angenähten Knopf testen, indem man ihn mehrmals schließt und öffnet. Sitzt er fest, ohne dass sich der Faden lockert, war die Wicklung richtig. Bei Wollstoffen oder Strickwaren empfiehlt es sich, auf der Rückseite ein kleines Stück Einlage oder einen zweiten kleinen Knopf als Gegendruck zu platzieren, damit der Stoff nicht durchlöchert. Diese zusätzliche Sicherung kostet kaum Zeit und verhindert, dass der Knopf nach einigen Wochen wieder wackelt.

Womit die Zugabe auf den Stoff kommt Am genauesten arbeitet man mit einer Schablone aus Pappe oder Kunststoff. Ein Streifen in der gewünschten Breite, an einer Kante gerade abgeschnitten, wird parallel zur Schnittkante angelegt, und mit einem dünnen Stift zieht man die Linie. Alternativ lässt sich ein Nahtzugabe-Füßchen an der Nähmaschine nutzen, das beim Nähen die Kante führt – das ersetzt aber nicht das Anzeichnen auf dem Stoff. Wer viel zuschneidet, nutzt einen Rollschneider mit Lineal, bei dem der Abstand zur Kante direkt eingestellt wird. Für Rundungen ist ein Kurvenlineal hilfreich, für Ecken ein Geodreieck.

Die Maschine richtig einstellen und führen Nähe Rundungen nicht in einem Zug mit hoher Geschwindigkeit. Reduziere die Drehzahl und halte den Stoff leicht straff – nicht ziehen, nur führen. Eine Stichlänge von 2 bis 2,5 mm ist für die meisten Webstoffe passend, bei dehnbaren Stoffen eher 1,5 mm. Nutze einen Geradstich, wenn die Rundung später nicht belastet wird, sonst einen schmalen Zickzack oder einen dehnbaren Stich. Wichtig: Nadel nicht in die Kerben stechen lassen, sonst entstehen kleine Löcher.

Bevor die Nadel überhaupt eingestochen wird, müssen die Kanten vorbereitet sein. Die Nahtzugaben werden auf etwa einen Zentimeter gekürzt, damit sie später nicht als Wulst unter dem Stoff durchdrücken. Beide Kanten werden gebügelt, die eine Kante leicht nach innen umgeschlagen. Liegen die Kanten nicht exakt aufeinander, wird die Naht schief und die Öffnung zieht sich zusammen. Ein typischer Fehler ist das Arbeiten an einer runden Öffnung, ohne die Kanten vorher mit Stecknadeln zu fixieren. Bei runden Formen verrutscht der Stoff sonst mit jedem Stich ein Stück weiter.

Ein Matratzenstich ist ein unsichtbarer Verbindungsstich, mit dem zwei Stoffkanten so geschlossen werden, dass die Naht von außen nicht sichtbar ist. Wer ihn beherrscht, kann Kissen, Bezüge, Futterkanten oder Reißverschlussblenden sauber verschließen, ohne dass eine Ziernaht oder ein offener Schlitz bleibt. Das Problem: Der Stich wird ständig verwechselt mit dem einfachen Leiterstich oder dem Blindsaum. Das Ergebnis ist dann eine Naht, die entweder durchschlägt oder so locker sitzt, dass sie beim ersten Benutzen aufreißt.

Der wichtigste Schritt passiert vor dem Nähen: die Nahtzugabe. Schneide sie an der Rundung auf etwa 0,7 cm zurück, an starken Kurven auf 0,5 cm. Dann kerbe die Zugabe im Abstand von 1 bis 1,5 cm ein, senkrecht zur Naht, aber nur bis kurz vor die Nahtlinie. Bei Innenkurven wie einem Halsausschnitt werden die Kerben leicht keilförmig, damit sich der Stoff beim Wenden legt. Bei Außenkurven wie einer Armkugel hilft es, die Zugabe vor dem Wenden schmaler zu schneiden und mit dem Bügeleisen über eine Rollnaht oder einen runden Gegenstand zu formen.

Der Matratzenstich ist keine Arbeit für die Nähmaschine. Er wird von Hand ausgeführt, und genau das ist sein Vorteil: Die Spannung lässt sich Stich für Stich kontrollieren. Wer ihn beherrscht, kann Öffnungen schließen, die von außen wirklich unsichtbar sind. Wer ihn mit dem Leiterstich verwechselt, erhält eine sichtbare Kante und muss die Naht auftrennen. Der Unterschied liegt in der Tiefe des Einstichs und im Spannen nach wenigen Stichen.

Vor dem ersten Stich steht die Vorbereitung. Das Kleidungsstück wird gewaschen und gebügelt, damit die Fasern liegen und keine Restspannung im Gewebe steckt. Der Faden wird passend zur Webrichtung gewählt: Bei glatten Stoffen reicht ein einfacher Nähfaden, bei Strick und Wolle sollte es ein Faden derselben Faserstärke sein, sonst zieht die Reparatur das Material zusammen. Die Nadel ist dünn und scharf, nicht zu lang, damit die Stiche kurz bleiben. Ein zu dicker Faden ist der häufigste Grund, warum ein Flicken plastikartig glänzt.

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