Ein weiterer Punkt ist die Fadenführung während des Nähens. Wenn der Stoff zu stark gezogen wird, kann der Faden nicht gleichmäßig ablaufen, und es entstehen Schlaufen. Lass die Maschine den Stoff transportieren, statt selbst zu ziehen. Bei sehr dehnbaren oder rutschigen Stoffen hilft ein Stickvlies oder dünnes Papier unter dem Stoff. Achte außerdem darauf, dass die Spule gleichmäßig und nicht zu locker gewickelt ist – eine ungleichmäßig gefüllte Spule führt fast immer zu Fadensalat.
Druckknöpfe halten nur so gut wie ihre Befestigung. Wer regelmäßig Kleidung oder Taschen repariert, kennt den Unterschied: Ein genähter Druckknopf lässt sich fast überall einsetzen, ein geschlagener nur dort, wo das Material die nötige Festigkeit mitbringt. Die Wahl der Variante entscheidet darüber, ob der Verschluss nach zwei Wochen wieder abreißt oder jahrelang hält.
Wer keine Overlock besitzt, muss Kanten trotzdem haltbar machen. Der häufigste Fehler dabei: die Stichlänge zu groß wählen und zu nah an der Kante nähen. Beides führt dazu, dass der Stoff ausfranst, obwohl die Naht optisch sauber wirkt. Die drei zuverlässigsten Techniken ohne Spezialmaschine sind Zickzackstich, Kappnaht und französische Naht. Jede eignet sich für andere Stoffe und Schnittteile.
Bei sehr dünnen oder dehnbaren Stoffen reicht der Rückstich oft nicht aus, weil die Naht steif wird und der Stoff daneben einreißt. Hier hilft ein kleiner Flicken auf der Innenseite. Den Flicken aus einem ähnlichen Stoff zuschneiden, mit der Hand annähen und die gerissene Kante darüberlegen. Wichtig: Der Flicken darf nicht auftragen. Ein zu dicker Stoff auf der Innenseite scheuert und führt zu neuen Schäden. Alternativ lässt sich der Saum mit einem Zickzackstich sichern, der etwas Bewegung zulässt. Das ist keine dauerhafte Lösung, überbrückt aber bis zur nächsten gründlichen Ausbesserung.
Das Annähen des Originalsaums erfordert eine Nähmaschine, die durch mehrere Lagen Stoff kommt. Bei Jeans ist das oft eine Herausforderung. Eine zu schwache Nadel bricht, der Faden reißt, oder die Naht wird krumm. Hier hilft eine Jeansnadel der Stärke 100 oder 110 und ein starker Faden. Die Naht sollte möglichst nah an der ursprünglichen Naht verlaufen, damit sie nicht auffällt. Wer unsicher ist, näht zunächst mit einer langen Stichlänge und prüft das Ergebnis. Nach dem Nähen die Naht bügeln und die überstehenden Stoffkanten versäubern, damit nichts ausfranst.
Beim Annähen an die Stoffkante wird das Band meist zu fest gezogen. Das ist der Grund, warum sich Kanten kräuseln. Das Schrägband muss mit leichtem Vorschub geführt werden, nicht gedehnt. Bei Kurven hilft es, das Band vorher mit Nadeln zu fixieren und erst dann zu nähen. Wer das Band in einem Zug um eine enge Ecke zieht, bekommt Falten. Besser in kurzen Abschnitten arbeiten und die Nadel im Stoff stecken lassen, um das Band neu auszurichten. Nach dem Nähen die Nahtzugabe zurückschneiden und das Band nach innen klappen.
Die richtige Technik für haltbare Nähte Für einen gerissenen Saum eignet sich ein einfacher Rückstich. Nadel und Faden passend zum Stoff wählen: bei feinen Webwaren dünnen Faden, bei festen Materialien wie Jeans etwas kräftigeren. Den Faden nicht zu lang abschneiden, sonst verknäult er sich. Mit einem Doppelknoten am Ende beginnen und die Nadel genau in die vorhandenen Einstichlöcher setzen. So bleibt die Naht optisch unauffällig. Wer unsicher ist, heftet die Stelle zuerst mit großen Stichen und prüft, ob der Saum gerade liegt. Erst dann fest nähen. Am Ende den Faden nicht direkt an der Kante abschneiden, sondern zweimal vernähen und die Reste kurz unter den Stoff schieben.
Zum Schluss wird das Band auf der Rückseite festgenäht. Entweder mit der Hand unsichtbar oder mit der Maschine im Nahtschatten. Der Nahtschatten funktioniert nur, wenn die vordere Naht genau auf der Faltkante liegt. Wer hier schludert, erhält eine sichtbare zweite Naht, die das Ergebnis unruhig wirken lässt. Vor dem finalen Nähen prüfen, ob das Band gleichmäßig breit liegt. Ein kurzer Blick von beiden Seiten spart das Auftrennen. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt saubere Kanten ohne Wellen und ohne dicke Stellen.
Kappnaht und französische Naht: unsichtbar und stabil Die Kappnaht, auch Doppelnaht genannt, ist die robusteste Variante für stark beanspruchte Nähte – Hosenböden, Kindersachen, Taschen. Zwei Stofflagen links auf links legen, 1 cm Nahtzugabe absteppen. Dann eine Lage zurückschneiden auf 3 mm, die andere auf 6 mm. Die breitere Lage über die schmale klappen, sodass die Kante eingeschlossen ist. Bügeln, dann knapp an der Bruchkante entlangsteppen. Der typische Fehler: den ersten Stepp zu breit machen. Dann liegt die zweite Naht nicht sauber auf der Kante, und der Stoff wulstet.
Die Breite des Bandes hängt vom späteren Einsatz ab. Für Kanten an leichten Stoffen reichen zwei Zentimeter fertige Breite, bei dicken Materialien sind drei bis vier Zentimeter sinnvoll. Ein häufiger Fehler ist, den Streifen zu schmal zuzuschneiden und ihn dann doppelt zu legen. Dadurch wird das Band zu dick und lässt sich nicht sauber um die Kante führen. Besser ist ein Streifen, der nach dem Falten noch genug Material für die Nahtzugabe hat. Als Faustregel gilt: Die vierfache gewünschte Fertigbreite plus eine kleine Reserve für den Umschlag ergibt die Zuschnittbreite.
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