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Streifenfrei streichen: Der Fehler mit der Kante

Renovieren heißt nicht, den Baumarkt leer zu kaufen. Die meisten Arbeiten in einer Wohnung lassen sich mit einer Handvoll Werkzeuge erledigen, wenn diese ordentlich sind und man weiß, wofür man sie einsetzt. Wer sich am Anfang übernimmt, schleppt später Kisten voller Geräte, die nie zum Einsatz kommen. Besser ist es, mit dem anzufangen, was tatsächlich gebraucht wird, und erst dann zu ergänzen, wenn eine konkrete Aufgabe es verlangt.

Praktisch läuft es so: Zuerst wird die Decke oder der obere Wandbereich in Bahnen gestrichen, dann folgt der untere Teil. Die Rolle wird in leicht überlappenden, parallelen Bahnen geführt, etwa in der Breite der Rolle. Jede neue Bahn setzt an der noch feuchten Kante der vorherigen an. Nicht hin und her schrubben, sondern gleichmäßig ziehen. Wer zu stark drückt, quetscht die Farbe heraus und erzeugt Ränder.

Eine Zimmertür, die am Boden schleift, ist selten ein Fall für die Hobelbank. In den meisten Fällen hat sich das Blatt im Laufe der Jahre gesenkt, weil die Scharniere ausgeschlagen sind oder sich die Bänder gesetzt haben. Wer sofort Holz abträgt, verschlimmert das Problem: Der Spalt wird größer, die Tür schließt schlechter, und nach dem nächsten Absacken kratzt sie wieder. Der bessere Weg ist, die Ursache zu bestimmen und die Tür neu einzustellen.

Für Malerarbeiten braucht es nicht viel: ein bis zwei hochwertige Pinsel in verschiedenen Breiten, eine Farbrolle mit Teleskopstiel und Abklebeband. Billige Pinsel verlieren Borsten, die in der frischen Farbe kleben bleiben. Vor dem Streichen die Kanten abkleben und die Rolle nicht in Farbe ertränken – sonst läuft sie und hinterlässt Streifen. Zwischen zwei Anstrichen ausreichend trocknen lassen, auch wenn die Farbe schnell trocknend ist.

Nass in nass heißt: keine Pause mitten auf der Fläche Der häufigste Fehler ist das Streichen in Etappen. Wer eine Bahn zieht, dann zur Seite geht, um die Rolle neu zu tauchen, und erst danach weiterarbeitet, produziert eine trockene Kante. Farbe trocknet an der Luft je nach Temperatur und Saugfähigkeit des Untergrunds unterschiedlich schnell, aber die Regel gilt immer: Eine angefangene Fläche wird in einem Zug fertig gestrichen, solange die Farbe noch feucht ist. Das bedeutet nicht, hektisch zu arbeiten, sondern ohne unnötige Unterbrechung.

Beim Stemmen und Hebeln helfen ein stabiler Hammer und ein Nageleisen. Ein Brecheisen mit flacher Klinge löst Fußleisten und Türzargen, ohne das Holz zu zersplittern. Ein Gehörschutz und eine Schutzbrille gehören dazu, sobald gebohrt, gesägt oder gestemmt wird. Typische Fehler sind fehlende Schutzausrüstung, zu viel Kraft am falschen Hebel und das Arbeiten auf unsicheren Leitern. Lieber eine Stufe niedriger stehen und öfter umsetzen, als das Gleichgewicht verlieren.

Nach dem Verfestigen und Trocknen folgt ein Probeanstrich an einer unauffälligen Stelle. Erst wenn dieser nach dem Aushärten nicht abkreidet und fest sitzt, wird die ganze Fläche gestrichen. Zwischen den Anstrichen ausreichend Zeit lassen, meist reicht ein Tag. Bei kühler und feuchter Witterung länger warten. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt eine Oberfläche, die nicht mehr pudert und auch nach Jahren noch hält.

Ein häufiger Fehler ist der Auftrag von Dispersionsfarbe direkt auf den sandenden Untergrund. Dispersionsfarbe bildet einen Film, der auf dem losen Sand nicht haftet. Nach kurzer Zeit platzt er ab oder kreidet erneut. Mineralische Farben auf Silikatbasis sind hier die bessere Wahl, weil sie sich mit dem verfestigten Untergrund verbinden. Auch sie brauchen aber einen tragfähigen Grund. Wer auf den Verfestiger verzichtet, spart an der falschen Stelle und streicht im nächsten Jahr wieder.

Wer diese Reihenfolge einhält, braucht meist nur einen Anstrich, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen. Ein zweiter Durchgang ist nur bei stark saugenden Untergründen oder dunklen Farbtönen nötig – dann aber erst, wenn die erste Schicht vollständig getrocknet ist. Zwischen den Anstrichen die Rolle nicht austrocknen lassen, sondern in Folie wickeln oder kurz in die Farbe tauchen. So bleibt das Werkzeug einsatzbereit und die nächste Fläche wird genauso gleichmäßig wie die erste.

Festigen statt abwaschen Leicht sandende Flächen lassen sich oft mit einem Tiefengrund festigen. Dieser dringt in die Poren ein, verklebt die losen Partikel und stellt die Saugfähigkeit einheitlich ein. Wichtig ist, den Grund satt und gleichmäßig aufzutragen, nicht nur dünn aufzusprühen. Bei stark kreidenden Anstrichen reicht das nicht: Hier muss die alte Farbe bis auf den tragfähigen Putz entfernt werden, mechanisch oder mit einem geeigneten Abbeizer. Wer nur überstreicht, produziert später Blasen und Abplatzungen.

Zum Schluss: Nicht jede Anschaffung muss sofort sein. Wer mit Schrauber, Wasserwaage, Zollstock, Cuttermesser, Pinsel, Hammer und Nageleisen beginnt, kommt bei den meisten Renovierungen weit. Alles andere wird gekauft, wenn die Aufgabe es fordert – nicht vorher. So bleibt die Werkzeugkiste übersichtlich, das Geld in der Tasche und die Arbeit planbar.

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